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„… weil Ausbildung.“ – Eine Studie zur Einschätzung der Angemessenheit von Texten in WhatsApp und Printmedien

Wenn man darüber nachdenkt, wie man Textqualität messen kann, liegt es nahe, die wahrgenommene Qualität ebenfalls zu beachten. Damit meinen wir die Frage, für wie angemessen „echte Menschen“ (hier durchaus im Gegensatz zu Sprachwissenschaftler*innen zu lesen) bestimmte Konstruktionen halten. Das möchten wir wissen, weil wir oft – zumindest implizit – Annahmen darüber machen, was die Sprecher*innen des Deutschen für angemessen halten. Doch statt darüber zu spekulieren, kann man sie auch einfach fragen.

„Einfach fragen“ ist gar nicht so einfach

„Einfach fragen“ – so einfach ist es leider dann doch nicht. Fragebogenstudien, in diesem Fall die Methode unserer Wahl, wollen gut geplant sein. Ausschlaggebend sind dabei insbesondere drei Aspekte: (1) Das Material, das den Teilnehmer*innen vorgelegt wird (die sog. „Stimuli“), und (2) die konkrete Studiensituation, die bei einem Fragebogen hauptsächlich aus den Fragen und den Antwortmöglichkeiten besteht. Der dritte Aspekt ist für die Teilnehmer*innen der Studie, wenn überhaupt, nur indirekt zu sehen: (3) das Design der Studie, d.h. die Kombinationslogik von Aufgaben und Fragen, die die einzelnen Befragten im Laufe des Experiments zu sehen bekommen.

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Konnektorengebrauch online – eine Fallstudie

Für die Beurteilung von Schreibkompetenz und letztlich der Qualität von Texten wird immer auch der Einsatz von Konnektoren berücksichtigt (z.B. Nussbaumer 1991). Laut dem grammatischen Informationssystem des Leibnitz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS) sind Konnektoren „Wortschatzeinheiten, die auf der obersten Ebene grammatischer Kombinatorik, der Syntax, Sätze miteinander verknüpfen können und dabei spezifische semantische Relationen wie kausal, adversativ, restriktiv etc. ausdrücken“. Die Verwendung dieser Bindewörter soll die Rezeption eines Textes dahingehend erleichtern, den Textzusammenhang zu erkennen. Sie werden intentional eingesetzt und können daher Rückschlüsse auf die so genannte „Kohärenzplanung“ im Textproduktionsprozess liefern (vgl. Becker-Mrotzek et al. 2014).

Zu den Konnektoren gehören alle Konjunktoren (wie undaber, odersondern), Subjunktoren (wie weildassfallssobald), Konnektivpartikeln (wie trotzdemdemgegenüber, währenddessen), bestimmte Präpositionaladverbien (wie dabei, damit) sowie einige Abtönungs-und Fokuspartikeln (wie nurdoch).

Was wollten wir herausfinden?

Im Teilprojekt von Eurac Research wollten wir generell der Frage nachgehen, ob Konnektoren in dialogischen Online-Texten anders verwendet werden als in traditionellen monologischen Texten. Dialogische Online-Texte unterscheiden sich von monologischen Texten vor allem dadurch, dass sie spontan im jeweiligen Kommunikationszusammenhang produziert und rezipiert werden. Sie sind auch normalerweise kürzer. Solche Texte werden also nicht geschrieben, um unabhängig von der jeweiligen Situation verstanden zu werden, wie das bei monologischen Texten der Fall ist, sondern als Teil eines fortlaufenden kommunikativen Austausches, der quasi simultan oder leicht zeitverzögert stattfindet. Dieser Unterschied spiegelt sich auch in der Verwendung von Sprache wider, die eher durch eine textorientierte Schreibhaltung in monologischen und eine interaktionsorientierte Schreibhaltung in dialogischen Texten gekennzeichnet ist (vgl. Storrer 2019). Aufgrund des unterschiedlichen Schreibanlasses und der damit verbundenen Schreibhaltung könnte auch der Gebrauch von Konnektoren in Online-Texten im Gegensatz zu monologischen Texten variieren. Um genau diesen Aspekt zu untersuchen, haben wir eine Korpusvergleichsstudie durchgeführt, in der wir das Vorkommen und den Gebrauch von Kausal- und metakommunikativen Konnektoren in unterschiedlichen monologischen und dialogischen Text- bzw. Kommunikationsformen analysiert haben.

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Modellbildung und Kategorienfindung

Das Projekt MIT.Qualität präsentiert auf dem Forum Originalitätsverdacht am 9./10.04.2019 im Schloss Herrenhausen in Hannover

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Modell zur Bewertung von Textqualität, das „traditionelle“ Ansätze zur Textbewertung mit Blick auf die Eigenschaften digitaler Kommunikation erweitert.

Spielbegleitende Interaktion als Quelle für Cybermobbing? – Ein Gastbeitrag von Konstanze Marx

Pragmatische Kompetenz informiert fördern.

Vor Weihnachten wurde unter dem #GamerleaksDE eine Debatte über ein Phänomen revitalisiert, das Tradition hat: Diskriminierung in Online-Spielen. Als die Kommunikations­wissenschaftlerin Anita Sarkeesian vor etwa sieben Jahren eine Crowdfunding-Plattform gründete, um eine Videoserie zu finanzieren, in der sie über Sexismus in Videospielen aufklären wollte, erhielt sie einerseits die notwendige Unterstützung für ihr Projekt und andererseits Hassmails und Morddrohungen, Pornobilder wurden in ihren Wikipedia-Eintrag montiert, ein Gamer reagierte mit einem Spiel, das darauf basierte der Forscherin Verletzungen zuzufügen. 

Tabus in der Gamer*innen-Szene

All das kann man in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung nachlesen, der am 25. März 2014 erschien. Hier findet man auch den Hinweis auf die Seite fatuglyorslutty.com. Die Gamerin Grace sammelt hier typische Kommentare, die in Kategorien wie „Crudely creative“, „Death Threads“, „Unprovoked Rage“ usw. sortiert werden. Sie berichtet, dass (auch) Männer über das Ausmaß der Kommentare durchaus entsetzt seien. Ihre Erklärung dafür wird im Artikel folgendermaßen wiedergegeben: „Wir haben allen gesagt, dass man nicht über sexuelle Belästigung in Games sprechen soll. Jahrelang hieß es: Don’t feed the trolls! Nicht drauf reagieren, nicht drüber reden. Also konnte auch keiner davon wissen.“ 

Aus dieser Aussage lässt sich entnehmen, was mir gar nicht klar war: Offenbar gab es in der Gamer*innen-Szene Tabus: Sexuelle Belästigung wurde weder thematisiert noch entgegen getreten in der Annahme, damit eine Eskalation vermeiden zu können. Das ist deshalb interessant, weil Nicht-Reagieren auch im Kontext von HateSpeech lange als einzig richtiges Verhalten propagiert wurde. 

Mir fällt es schwer, in dem oben genannten Zitat das wir zu referenzialisieren und die damit verbundene Gruppe zu identifizieren, die hier quasi eine Diskurshoheit für sich beansprucht und sich damit zum (wahrscheinlich unfreiwilligen) Hüter eines Tabus stilisierte. Deutlich wird doch: Das Verschweigen kann kein guter Weg gewesen sein und Sich-nicht-entschieden-kontrapositioniert-zu-haben ebenso wenig. Gleichzeitig wird damit offenbar, dass im Kontext von Spielen/Online-Spielen eine von Diskreditierungen durchsetzte Diskurskultur besteht.

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Digitale Bildung in Österreich. Terminologien, Themen, Trainings und Trends

Ein Gastbeitrag von Thomas Strasser, Stefan Schmid und Josef Buchner

1. Medien? Medien!

Ob für die Unterhaltung, zur Kommunikation oder Distribution, analoge und digitale Medien sind essenzieller Bestandteil eines zeitgemäßen, kommunikativen (Fremdsprachen)unterrichts. Medien per se ermöglichen es, Lehr- und Lernprozesse – u.a. auch auf multisensorischer Ebene – zu bereichern. Einerseits findet man viele pädagogisch-normative Aussagen hinsichtlich des Nutzens, der Chancen und Risiken von Medien im Allgemeinen, andererseits gibt es teilweise wenig empirische Forschung, die sich mit Details und Interdependenzen bezüglich des Einsatzes von Medien im Unterricht beschäftigen (vgl. Schmidt & Strasser 2018, S. 211).

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//ON OFF Text OFF ON Text Text Text OFF Text always ON//Gedanken über das Digitale im Schreiben//

Zahlen, digitaler Text

Ein Gastbeitrag von Anja Koemstedt

Gelegentlich blogge ich: kleine Texte aller Arten, Fundstücke aus meinen Notizheften zu Skurilitäten des Alltags, Gedichtartiges,  Prosaversatzstücke, für den Blog meiner Autorinnengruppe alphabettínen, im Wechsel mit meinen Kolleginnen.

da ist sie wieder: die blog-bedingte schizophrenie der autorin – setze ich, da dieser text hier online erscheint, einen link zu meinen alphabettínen? promoten will ich uns ja, wie überhaupt das netz eine einzige riesenpromotionmaschine ist, aber will ich, dass sich der leser kurz ausklinkt aus meinem gedankengang? dass er „abgelenkt“ wird, umgelenkt, weitergeleitet? im takt des schnelllebigen mediums, neue reize immer nur einen klick entfernt, ich ihm, diesem netz, also respekt zolle und seine möglichkeiten angemessen ausschöpfe in der annahme, der online-leser wolle digital bedient und verhätschelt werden, brauche gleich einem junkie immer neue reize? sonst klicke er sich weg, von mir und meinem schnöden analog-text, und käme nicht mehr wieder?

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Kultur ist … – Ein Gastbeitrag von Heidrun Gerzymisch

„Kultur ist …“

nicht nur ein polyglotter Sender, der Gedanken an Kunst, Theater oder Museum weckt und aus unserem Alltag, aus Wissenschaft und Gesellschaft (Stichwort ‚Leitkultur‘) nicht mehr wegzudenken ist. Kann es für diesen Bedeutungsreichtum nur EINE Definition geben? Die über 200 Kulturdefinitionen bei Hansen (1995) suggerieren dies jedenfalls nicht. Wie kommen wir aber an einen so facettenreichen Begriff heran? Wir beginnen mit dem Zweck, der unser Interesse motiviert, und schlagen drei mögliche Zugänge vor. Weiterlesen Kultur ist … – Ein Gastbeitrag von Heidrun Gerzymisch

Ampeln für den Text – Wie das SEO-Tool Yoast Blogger bei der Texterstellung anleitet

Bei der Durchsicht und Analyse der Schreibratgeber für gute Online-Texte sind wir immer wieder auf das Stichwort „SEO“ („search engine optimization“) gestoßen. Dahinter verbirgt sich die Anpassung bzw. „Optimierung“ von Texten, sodass Suchmaschinen wie Google oder Yahoo sie möglichst weit vorne in der Suchliste aufführen. Beschäftigt man sich näher mit SEO, so findet man ziemlich schnell diverse Tools, die den Schreiber von Online-Texten dabei unterstützen sollen. Was also bieten derartige Tools und wie arbeiten sie? Nach welchen Kriterien bewerten sie Online-Texte?

Auch das Content-Management-System WordPress, mit dem wir unseren Blog betreiben, bietet Plug-ins zur SEO an. Es lag auf der Hand, ein solches Tool einmal auszuprobieren und verschiedenartige Texte bewerten zu lassen.

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Lexikografie in Südafrika

„Die ganze Welt in einem Land“ – das ist das Werbemotto von Südafrika. Tatsächlich ist das Land nicht nur landschaftlich sehr vielfältig, sondern auch sprachlich. Mit dem Ende der Apartheid wurden elf Sprachen offiziell als Nationalsprachen anerkannt. Zur besseren Förderung der neuen Nationalsprachen wurde auch der Lexikografie eine wichtige Rolle bei der Verständigung und Entwicklung der afrikanischen Sprachen zu Bildungssprachen zugesprochen. So sind neben den großen Wörterbüchern mit langjähriger Tradition eine Vielzahl neuer Wörterbücher und Wörterbuchtypen entstanden, die ich während meines DFG-geförderten Forschungsaufenthalts in Stellenbosch kennenlernen konnte.

Sepedi, Sesotho, Setswana, siSwati, Tshivenḓa, Xitsonga, Afrikaans, English, isiNdebele, isiXhosaand isiZulu– so heißen die offiziellen Nationalsprachen Südafrikas. Das ist eine große Errungenschaft, denn die indigenen Sprachen Südafrikas wurden während der Apartheid systematisch unterdrückt. Zur besseren Förderung der neuen Nationalsprachen wurde schon 1995 das „Pan South African Language Board“ (PanSALB) gegründet. Dieses soll einen pluralistischen Ansatz für die Sprachenförderung verfolgen. So heißt es in der südafrikanischen Verfassung:

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