Vom Teilhaben und Teilen – Auswertung von Ratgeberliteratur zum Schreiben von Online-Texten

Auswertung von Ratgeberliteratur zu Online-Texten

Ratgeberliteratur für das Schreiben von Online-Texten boomt. In unserem Forschungsprojekt MIT.Qualität, mit der Forschungsfrage „Wie misst man Textqualität im digitalen Zeitalter?“, haben wir insgesamt zwölf aktuelle und populäre Schreibratgeber (siehe Literaturverzeichnis Schreibratgeber (PDF)) mit Hilfe des Zürcher Textanalyserasters untersucht. Darüber hinaus haben wir analysiert, welche weiteren Qualitäten, die im Zürcher Modell keine Erwähnung finden, für das Verfassen von Online-Texten empfohlen werden.

Auffallend ist, dass Qualitäten aus dem Zürcher Modell, wie etwa die sprachsystematische/orthographische Richtigkeit, aber auch die ästhetische Angemessenheit, nur noch wenig Erwähnung in der Ratgeberliteratur finden. So schreibt z.B. einer der Ratgeberautoren, Markus Cerenak:

„Du schreibst einen Artikel um Menschen weiterzuhelfen und nicht, um das Deutsch-Abi mit Auszeichnung zu bestehen.“ (Cerenak, 2016, S. 152)

Häufig wiederzufinden sind hingegen neuere Kategorien, wie z.B. Texte in Algorithmen und Timelines auffindbar machen, Schreiben für die Zielgruppe, Resonanz oder Schnelligkeit (siehe Kategorienraster Schreibratgeber (PDF)). In diesem Blogpost werde ich näher auf die weiteren Kategorien eingehen, die wir in der Ratgeberliteratur gefunden haben. Vom Teilhaben und Teilen – Auswertung von Ratgeberliteratur zum Schreiben von Online-Texten weiterlesen

Sprachverfall im Internet und was wir aus der empirischen Forschung lernen können

Survivorship bias

Twitter und SMS gefährden nach Meinung des Rechtschreibrats-Vorsitzenden Hans Zehetmair das deutsche Sprachgut. ‚Die deutsche Sprache wird immer weniger gepflegt‘ […]. Das Deutsche verarme in den neuen Medien zu einer ‚Recycling-Sprache‘, werde immer mehr verkürzt und vereinfacht und ohne Kreativität wiedergekäut. Der Sprachverfall betreffe vor allem die junge Generation. Das Vokabular der Jugendlichen sei bei SMS und Twitter generell sehr simpel, die Rechtschreibung fehlerhaft. ‚Alles ist super, top, geil, aber nicht mehr authentisch‘, kritisierte Zehetmair“ (Hannoversche Allgemeine Online, 21.12.2012). Zehetmair ist mit einer solchen Einschätzung nicht alleine: So waren 2008 zwei Drittel der Deutschen der Meinung, mit ihrer Sprache gehe es rasant bergab. Als Gründe wurden Leseabstinenz, Anglisierung, Internet-Kommunikation und Jugend-Slangs benannt. 2010 meinten außerdem 84 Prozent, es müsse mehr für den Erhalt der deutschen Sprache getan werden („Die deutsche Sprache“ in „Die Zeit“ vom 7. April 2016).

Solcherlei Diskussionsbeiträge über den Zustand der deutschen Sprache sind keine Seltenheit. Sie betreffen außerdem eine Kernfrage unseres Projekts MIT.Qualität: Tragen soziale Medien dazu bei, dass die Fähigkeit, sich gewählt auszudrücken, verkümmert und damit langfristig auch der Reichtum der deutschen Sprache insgesamt abnimmt? Sprachverfall im Internet und was wir aus der empirischen Forschung lernen können weiterlesen

MIT.Blog: Wie lesen Schüler und Schülerinnen digitale Texte? Ein Blick in die Veröffentlichungen zur Pisa-Studie 2012

Digitales Lesen lernen in der Schule

Lesekompetenz deutscher Jugendlicher bei digitalen Texten deutlich schlechter als bei gedruckten

Im Frühjahr 2018 wird mit der nächsten PISA-Erhebung zum dritten Mal ein umfassender Test der Lesekompetenz fünfzehnjähriger Schülerinnen und Schüler weltweit durchgeführt. Die Lesekompetenz wird dabei auch an digitalen Texten getestet.

Bereits im Mai 2017 veröffentlichten Johannes Naumann und Christine Sälzer in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (2017), 20, 585-603 die Studie „Digital reading proficiency in German 15-year olds: Evidence from PISA 2012.“, die, wie der Titel schon sagt, auf dem Pisa-Test aus dem Jahr 2012 basiert. Während die Lesekompetenz deutscher Jugendlicher hier für gedruckte Texte überdurchschnittlich war, lag die Lesekompetenz bei digitalen Texten im OECD-Durchschnitt und ist damit deutlich niedriger als die Performanz deutscher 15-jähriger Schüler/innen beim Lesen gedruckter Texte. MIT.Blog: Wie lesen Schüler und Schülerinnen digitale Texte? Ein Blick in die Veröffentlichungen zur Pisa-Studie 2012 weiterlesen

MIT.Blog: Qualität automatischer Übersetzungen: Licht und Schatten

Automatische Übersetzung in der Anwendung

Automatische Übersetzungsprogramme versprechen schnelle und genaue Übersetzungen ohne viel Aufwand. In einigen Internetbrowsern sind sie bereits fest integriert oder über Add-ons nachrüstbar. Tatsächlich mutet es ein wenig wie Magie an, wenn man bspw. bei Internet-Recherchen für den nächsten Urlaub eine portugiesische Internetseite aufruft und der Browser die Seite automatisch auf Deutsch übersetzt. Doch fast im selben Moment werden die zahlreichen Probleme sichtbar, mit denen die Programme zu kämpfen haben. Technische Begrenzungen, wie bspw. die Unübersetzbarkeit von Text in Bildern, sind da noch die kleinsten Schwierigkeiten. Andererseits sieht man aber auch, dass die automatischen Übersetzungen oft genügen, um die gewünschten Informationen zu finden, die ansonsten hinter der Sprachbarriere verborgen geblieben wären. MIT.Blog: Qualität automatischer Übersetzungen: Licht und Schatten weiterlesen

MIT.Blog: Wovon wir ausgehen

Wie ist der Stand der Forschung zum Thema Textqualität und interaktionsorientiertes Schreiben in digitalen Medien?

Seitdem das Smartphone unser täglicher Begleiter im Alltag geworden ist, beschäftigen sich Journalisten, Wissenschaftler und Lehrer mit der Frage, ob und wie sich der Austausch über Instant-Messaging-Dienste auf die Lese- und Schreibfähigkeit auswirkt. In den Medien wird stellenweise pessimistisch in die Zukunft geschaut und etwa von einer „Apokalypse der deutschen Sprache“ (FocusOnline) gesprochen. Die sprachwissenschaftliche Forschung wird im öffentlichen Diskurs häufig so dargestellt, als betone sie (wenn überhaupt) nur die positiven Veränderungen, die der sprachliche Wandel mit sich bringt. Dürscheid und Frick (2016: 109) betonen in ihrem Buch Schreiben digital, dass sich dieser Eindruck bei genauerem Hinsehen nicht bestätigt, denn weder ist „die Haltung der Öffentlichkeit durchweg besorgt-pessimistisch [noch] die der Sprachwissenschaft durchweg beschreibend-optimistisch“.

Doch wie sieht die Forschungslage zum Thema tatsächlich aus? Welche Studien untersuchen welche Aspekte? Kurz gefragt: wovon gehen wir in unserem Projekt aus? MIT.Blog: Wovon wir ausgehen weiterlesen