Gute Texte, schlechte Texte im Netz – Social-Media-Expertinnen präsentieren gelungene und misslungene Online-Texte (Teil 2)

Was sind gute Texte und was sind schlechte Texte im Netz? Es ging um die unkonventionelle Form, die Zielgruppe, um Suchmaschinenoptimierung und Angemessenheit von Online-Texten. Anlässlich unseres Expertenworkshops zum Thema „Wie misst man Textqualität im digitalen Zeitalter?“ präsentierten am 19. Juni 2018  vier Social-Media-Expertinnen und ein Social-Media-Experte (wegen Krankheit in etwas anderer Besetzung) Beispiele gelungener oder misslungener Online-Texte und stellten sie zur Diskussion.

Dr. Karin Windt promovierte in den Literaturwissenschaften, wechselte später in die IT-Branche und ist seit 8 Jahren Inhaberin der Agentur webgewandt. Sie berät Kunden zum Thema Onlinemarketing, unterrichtet Suchmaschinenoptimierung (SEO) und trainiert Freiberufliche, Unternehmen und Verbände im Umgang mit sozialen Medien.

Präsentation Karin Windt (1)

Die aus Berlin angereiste Literaturwissenschaftlerin zeigte Kurzlyrik auf Twitter als Beispiel für gute Online-Texte. Die Tweets veröffentlichte Windt als Twitter-Moment, sodass sie gesammelt aufrufbar sind.

Verdoppelte Zeichenanzahl auf Twitter

Zunächst thematisierte sie die erweiterte Zeichenbeschränkung auf Twitter, die von 140 im vergangenen Jahr auf 280 Zeichen erhöht wurde. Dies sei für sie, so Windt, zunächst wie ein Bruch und „Niedergang der digitalen Kultur“ gewesen. Sie vermisste schmerzlich die Anforderungen durch die enge Zeichenbegrenzung. Dennoch ließen sich auch weiterhin gute und ansprechende Texte auf der Plattform finden. So begann die Referentin ihren Vortrag mit einem Tweet der Autorin Kathrin Passig, die diese technische Änderung ebenfalls feiert.

Windt betonte wiederholt die Kombination von Text und Bild, die nicht nur auf Twitter, sondern allgemein für die sozialen Medien spezifisch sei. Hier zeigte sie einen Tweet von Peter Breuer, der nur mit Zeichen Edvard Munchs bekanntes Gemälde „Der Schrei“ nachstellt. Diese Intertextualität und Intermedialität sei, wie Windt erklärte, meist verbunden mit Ironie und Wortwitz. An dieser Stelle präsentierte sie Tweets der BVG Berlin. Der Verkehrsbetrieb habe mit der #weilwirdichlieben-Kampagne gezeigt, dass auch im Bereich Marketing mit Selbstironie und Witz auf Twitter gepunktet werden kann. Sprachspiel und Sprachwitz seien auf Twitter im großen Stil vertreten und ein „ästhetischer Genuss“.

Karin Windt hat selbst einen Blogpost zu ihrem Vortrag beim Expertenworkshop verfasst, in dem sie auf ihre Beispiele eingeht.

Wie sehen Beispiele für schlechte Texte aus?

Lia Gänzler studierte Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Mannheim und ist geprüfte PR-Beraterin. Nachdem sie in einer Kommunikationsagentur und einem Unternehmen mit Schwerpunkt auf Organisationsentwicklung und Mitarbeiterkommunikation gearbeitet hat, machte sie sich mit der Agentur kommunikation/küche selbstständig. Hier bietet sie unter anderem Beratung im Bereich Unternehmenskommunikation und interne Kommunikation an und gibt Workshops.

Präsentation Lia Gänzler

Gänzler zeigte Beispiele für schlechte Texte und fragte sich zunächst, welche Zutaten es dafür überhaupt brauche. So nannte sie etwa einen langweiligen, zähflüssigen Stil, Nominalkonstruktionen, Gedankensprünge, aber auch die Missachtung der Zielgruppe als Gründe für das Misslingen von Beiträgen. Als Beispiel brachte sie „Über uns“-Texte von verschiedenen Unternehmenswebseiten mit, die häufig nur aus austauschbaren Textbausteinen bestünden, so als habe man einen „Über-uns-Generator“ verwendet. Auch in ihrem zweiten Beispiel, dem Beitrag aus einem Unternehmensblog, seien deutliche Mängel festzustellen. Die Zielgruppe des Textes bleibe beispielsweise unklar, Verlinkung und Einbindung multimedialer Elemente seien nicht berücksichtigt und Chancen auf interessante Inhalte vertan worden.

Gute Texte, schlechte Texte – am zweiten Tag des Expertenworkshops zum Projekt „Wie misst man Textqualität im digitalen Zeitalter?“ wurden Beispiele für beide Extreme präsentiert und analysiert. Wir möchten uns nochmals herzlich bei allen Referentinnen und Referenten für ihre Beträge bedanken.

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