Tandem-Arbeit zu Sophie Stippel: Widerständige gegen das NS-Regime und Köchin des Kommandanten von Auschwitz

Sophie Margarete Stippel, geboren 1892 in Mannheim, ist eine Widerständige gegen das NS-Regimes mit einer außergewöhnlichen Geschichte. Aufgrund ihres Glaubens als Bibelforscherin (heute Zeugen Jehovas genannt) wurde sie von den Nazis überwacht und später verhaftet. Über zahlreiche Zwischenstationen in Konzentrationslagern wurde sie 1942 schließlich nach Auschwitz deportiert, wo sie eine schicksalshafte Begegnung vermutlich rettete. Sie traf den Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß, der nach dem Zweiten Weltkrieg für seine unbeschreiblich schrecklichen Verbrechen in Polen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Sophie Stippel und Rudolf Höß kannten sich vermutlich noch aus Mannheimer Tagen. Höß stellte sie als Köchin für die Familie ein. Aufgrund dieser Position konnte Sophie vielen Insassen des KZs helfen. Sie hielt an ihrem Glauben fest, obwohl sie aus dem KZ entlassen worden wäre, wenn sie abgeschworen hätte. 

Im Rahmen des Tandem-Seminares „Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in der deutschen Wikipedia“ an der Universität Mannheim soll nun für Sophie Stippel eine eigene Wikipedia-Seite erstellt werden. Wie sieht Tandem-Arbeit aus?

Da wir zu dritt an diesem Artikel arbeiten, haben wir uns zu Beginn zunächst aufgeteilt. Jeder hat in Eigenrecherche erst einmal versucht, so viel wie möglich über die Person Sophie Stippel und die Arbeit mit Wikipedia herauszufinden. Dabei haben wir uns noch keine Aufgaben zugeteilt, da wir erst einmal alle Informationen sammeln und nach Überschneidungen bzw. Unterschieden schauen wollten. Auch wenn sowohl Student:innen aus dem Fachbereich Germanistik und Geschichte vertreten sind, haben wir uns darauf geeinigt historische oder linguistische Besonderheiten nicht aufzuteilen, sondern alles in Gruppenarbeit zu erarbeiten. Dabei hilft natürlich das Internet mit seinen unzähligen Austauschmöglichkeiten, wir sind aber auch froh, uns wieder in der Universität treffen zu dürfen.

Vergleicht man die Arbeit mit der eines herkömmlichen Seminars, gibt es einige Unterschiede. Zum Beispiel ist es interessant den Fokus nicht ausschließlich auf wissenschaftliche und fachspezifische Arbeiten legen zu müssen, sondern auch „frei“ über das Internet recherchieren zu können. Die explizite Beschäftigung mit Wikipedia ist im Rahmen einer Veranstaltung an der Universität ebenfalls sehr erfrischend.

Bezogen auf unsere Recherche stach v.a. ein Forschungsprojekt aus Mannheim hervor, welches sich mit Sophie Stippel intensiv befasste. In Zusammenarbeit mit dem MARCHIVUM (Karin Strobel) und der Universität Mannheim (Prof. Dr. Wilhelm Kreutz) wurde die Biographie von Sophie Stippel und Rudolf Höß aufgearbeitet und die Ergebnisse im Rahmen einer Schriftenreihe veröffentlicht („Der Kommandant und die Bibelforscherin“). Diese Arbeit ist die Grundlage für die Wikipedia-Seite zu Frau Stippel, wird aber noch durch andere Quellen ergänzt. Die nächsten Schritte bestehen aus einer finalen Auswahl der Quellen, einer Gliederung zu dem Wikipedia-Eintrag und Klärung von Besonderheiten (Verwendung von Bildmaterial, Hyperlinks, Sprache etc.).

Abschließend wollen wir noch die größte Schwierigkeit unserer Arbeit erläutern: Der Umgang mit der Abscheulichkeit der NS-Verbrechen allgemein und speziell mit Rudolf Höß. Bei der Auseinandersetzung fällt es oftmals schwer die richtigen Worte zu finden oder die Abscheulichkeiten überhaupt in Worte zu fassen. Gleichzeitig wird am Ende ein Wikipedia-Eintrag stehen, der für das gesamte Internet frei zugänglich ist. Dadurch entsteht eine große Verantwortung insbesondere für die Person und das Andenken an Sophie Stippel. Dennoch schätzen wir es sehr, so ein Projekt im Rahmen unseres Studiums kennenlernen zu dürfen.

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